Über uns

Leitbild und sozialethische Grundlagen

Die eaf ist ein Zusammenschluss evangelischer Ämter, Dienste, Werke und Verbände, die in unterschiedlicher Weise mit Familien, Kindern, Frauen und Männern arbeiten. Durch ihre Mitgliedschaft bei der eaf bekunden sie ihr Interesse an familienpolitischem Engagement. Die eaf setzt sich dafür ein, dass in Kirche, Staat und Gesellschaft familienpolitische Aufgaben wahrgenommen werden. Grundlage für die Arbeit der eaf ist der christliche Glaube, der in der biblischen Botschaft wurzelt. Für ihn ist der Mensch Gottes Geschöpf und die Welt seine Schöpfung. Dies und die Zuwendung Gottes in seiner Menschwerdung in Jesus Christus begründet die Würde des Menschen, für deren Schutz es sich vorbehaltlos einzusetzen gilt.
Aus diesem Grundverständnis ergibt sich für die Gestaltung des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft:

  • die Würde der Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und gesellschaftlicher Leistung zu achten,
  • Gerechtigkeit durch freie und gleiche Lebensbedingungen für alle zu schaffen,
  • Solidarität durch Zuwendung zu anderen Menschen und im Einsatz für ihr Wohlergehen zu verwirklichen,
  • kritische Distanz zu den von Menschen geschaffenen Ordnungen und Institutionen zu halten und an deren Verbesserung zu arbeiten.

Die Familie ist für die meisten Menschen die erste soziale Gruppe, in der diese Grundwerte menschlichen Miteinanders erfahren und eingeübt werden können. Menschen gründen eine Familie in der Hoffnung, daß ihnen in ihr personale Achtung ohne Vorleistung und Zuwendung ohne Gegenforderung zuteil werden und sie in ihr in unterschiedlicher Weise auch Gebende sein können. So entstehen in der Familie Bindungen und Verbindlichkeiten – zum Teil bedingt durch unaufhebbare Beziehungen -, die den einzelnen Familienmitgliedern die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft wechselseitiger Verantwortung geben. Doch nicht immer gehen diese Hoffnungen in Erfüllung, nicht immer gelingt es Achtung, Gerechtigkeit und Solidarität im Zusammenleben zu verwirklichen.
Die Familie kann ebenso ein Ort der Enttäuschung, Gewalt und Versagung von Lebens- und Entwicklungschancen sein.

Familienpolitik hat hier nach den Ursachen zu fragen und, soweit sie in den gesellschaftlichen Lebensbedingungen der Menschen liegen, Abhilfe zu schaffen. Partnerschaften zwischen Erwachsenen und Zusammenleben von Erwachsenen und Kindern gibt es heute in unterschiedlicher Gestalt.
Die Mehrzahl von Frauen und Männern, die eine Familie gründen, wählen die Ehe als Grundlage ihrer Partnerschaft und verbinden damit den Anspruch personaler Gemeinschaft in gleichrangiger Verantwortung. Doch wird Familie auch in anderer, oftmals im Verlauf eines Lebens auch wechselnder Gestalt gelebt und unterliegt im Zusammenhang mit gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen dem historischen Wandel.
Achtung, Gerechtigkeit und Solidarität können in unterschiedlichen Lebensformen gesucht und verwirklicht werden.

Hohe Erwartungen an die Familie haben nicht nur ihre Mitglieder, sie werden zudem von außen an sie herangetragen, wie es z.B. in Artikel 6 des Grundgesetzes zum Ausdruck kommt. So erwarten Gesellschaft, Kirchen und Staat von der Familie -insbesondere von der Frau -, dass von ihr emotionale Befriedigung und persönliche Versorgung gewährt wird und Kinder auf ihr Leben als Erwachsene vorbereitet werden.
Die Familie soll darüber hinaus die Regeneration der Erwachsenen für ihre berufliche Tätigkeit leisten, ein Auffangnetz in Krisen und Not darstellen, Kranke, Behinderte und Altgewordene umfassend versorgen und vieles mehr. Solche Erwartungen überfordern Familien; sie müssen vor allem dann zurückgewiesen werden, wenn die Rahmenbedingungen für ihre Erfüllung nicht gegeben sind. Hierzu gehört vor allen Dingen ausreichendes Einkommen der Familie, insbesondere aus gesicherter Erwerbstätigkeit. Die Familie braucht ferner angemessenen Wohnraum, ergänzt durch Lebens- und Entfaltungsräume außerhalb der Wohnungen. Besondere Bedürfnisse entstehen in verschiedenen Phasen des Familienzyklus; so benötigen z.B. Familien mit kleinen Kindern Platz für sicheres Spielen.
Eltern muß es möglich sein, Familien- und Berufspflichten miteinander zu verbinden oder zwischen beiden Bereichen – auch zeitlich begrenzt – zu wählen. Dies ist sowohl in der Arbeitswelt als auch bei der Kinderbetreuung in familienergänzenden Einrichtungen und anderen Formen sicherzustellen.

Jugendlichen und Erwachsenen müssen Chancen für ihre Weiterentwicklung in Bildung und Ausbildung, Freizeit und Beruf eröffnet werden. Für ein Alter in Würde ist eine angemessene soziale Absicherung, auch bei Pflegebedürftigkeit, Grundvoraussetzung.

Familienpolitik ist eine Querschnittsaufgabe, die auch in den Entscheidungen anderer Politikbereiche, wie z.B. der Sozial-, Wohnungs-, Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Steuerpolitik, Verkehrs- und Umweltpolitik zur Geltung gebracht werden muß. Familienpolitische Maßnahmen und Leistungen sollen Familien als soziale Einheit erhalten und fördern, sie bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützen und dabei die individuellen Bedürfnisse von Familienmitgliedern – von Müttern wie Vätern, Töchtern wie Söhnen – berücksichtigen. Dabei kann es in Einzelbereichen – denkt man etwa an Frauen- und Jugendpolitik – auch zu Zielkonflikten kommen.
Familienpolitik sieht sich ständig mit Zielen und Interessen anderer Teilbereiche staatlicher Politik konfrontiert. Dort haben Familienbelange noch keine Priorität, weil sich politisches und wirtschaftliches Handeln vor allem an Durchsetzung und Effektivität und weniger an Solidarität und Sicherung verantwortlichen Zusammenlebens ausrichtet.
Die Familie braucht jedoch eine Gesamtpolitik, die glaubhaft und sichtbar in Taten umsetzt, was in der Öffentlichkeit an Werten postuliert wird. Die humane Qualität einer Gesellschaft hängt davon ab, dass sie Menschen Möglichkeiten für menschengerechte Lebensentwürfe eröffnet.